Thema im Oktober: Haltung und Körpergebrauch

Meister Nocquet schreibt an einer Stelle sinngemäß, „man könne sich einen sehr guten Aikidoka vorstellen, der nur eine einzige Technik beherrscht und diese gemäß den Prinzipien des Aikido dem jeweiligen Angriff anpasst“. Man kann sich jedoch keinen Aikidoka vorstellen, der / die nicht gelernt hat, seine / ihre Körperhaltung angemessen einzusetzen – das Aikido würde schlicht nicht funktionieren.

Haltung (engl. Posture) können wir physiologisch auch als den wirksamen Gebrauch von Skelett und Muskeln beschreiben. Ohne Skelett keine Stabilität, ohne Muskeln keine Bewegung. Doch damit beide auch zur Umwelt passen, brauchen wir das Gleichgewicht. Selbst im Stehen bewegen wir uns ständig, sonst würden wir sofort umfallen. Wir bemerken diese Bewegungen jedoch aus zwei Gründen normalerweise nicht: Erstens sind sie sehr klein und zweitens gehören sie zu unserem erlernten Körpergebrauch und sind uns zur Gewohnheit geworden.

(Gewohnheiten haben bei manchen einen schlechten Ruf, biologisch gesehen sind sie aber eine geniale Erfindung. Einmal erlernt, laufen sie schnell und automatisch ab und erfordern nur minimale (Denk-)Energie. Ihr Nachteil ist die mangelnde Anpassungsfähigkeit. Deshalb ist es wichtig, gute Gewohnheiten zu entwickeln, denn das ist leichter, als schlechte zu verbessern oder durch bessere zu ersetzen. Und es ist wichtig, möglichst viele Gewohnheiten zu entwickeln, damit man immer eine passende parat hat. Aber dazu ein andermal mehr.)

Was wäre also – aus Sicht des Aikido – eine gute Körperhaltung?

Nun, von außen betrachtet können wir sicherlich sagen, dass sie wirksam sein muss – ich falle nicht um, kann aber meinen Partner aus dem Gleichgewicht bringen. Sie muss mit dem Minimum an Kraft ausgeführt werden können – wobei sich das Minimum nach dem Gewicht meines Partners im Verhältnis zu meinem und nach seiner Geschwindigkeit richtet. Ist der Partner schnell, entstehen größere Fliehkräfte. Und es sollte leicht und elegant aussehen.

Doch was muss ich innen, also in mir tun, um eine in diesem Sinne gute Haltung und einen guten Körpergebrauch zu erreichen? An dieser Stelle steht in den Büchern von O Sensei oder Meister Nocquet immer, dass das nur in der persönlichen Unterweisung erklärt werden. Und das geht nur auf der Matte – wie wär‘s mit nächstem Mittwoch?

Und als Belohnung für alle, die den Text zu Ende gelesen haben, hier noch ein Beispiel für herausragend gute Haltung und Körpergebrauch. Und ein exzellentes Beispiel für optimales Gleichgewicht – innen, wie außen.